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Aus der Chronik des DRK - Ortsverein Wahlen


Der DRK – Ortsverein Wahlen gründete sich 1954, noch unter dem Eindruck des letzten Krieges, mit insgesamt 65 Mitgliedern. Ganz wesendlich daran beteiligt waren, der Ausbildungsleiter im DRK – Kreisverband Merzig – Wadern, Herbert Steimer aus Losheim und der damalige Küster und Organist Matthias Theisen, der auch den Ersten Vorsitz im neuen Verein übernahm.  Nach dem ersten „Erste Hilfe Lehrgang“, im Mai 1955, der von 33 Teilnehmern besucht wurde begann die offizielle Existenz des Vereins.

Die Mitgründer und heutige Ehrenmitglieder Walter Schuler, Alois Schommer und Herbert Koch  sind heute noch unter dem Zeichen des Roten Kreuzes im Verein tätig.

Der Ortsverein war und ist zunächst getreu seinem Ersten – Hilfe – Dienst bei allen Veranstaltungen sakraler wie auf profaner Art in tatkräftigem Einsatz. Aber einen ganz relevanten Schwerpunkt bildete in der Folge die aktive und gezielte Arbeit auf sozialer Ebene. Schwesternhelferinnen und Sanitätshelfer leisteten hier sehr Beachtliches im Bereich der Krankenpflege. Neben mehreren Krankenbetten und diversen Pflegehilfsmitteln, die der Verein besitzt, basiert diese teils schwierige Arbeit auf einer soliden Schwesterhelferinnen- und Sanitätsausbildung. Der Ortsverein hat eine  sehr gute Personal- und Sachausstattung. In fast regelmäßigen 2 – 3 Jahresabständen werden Kurse für „Pflegende Angehörige“ angeboten und äußerst positiv angenommen.

Eine dritte Sparte unter der Definition „Lebendig und beweglich bis ins hohe Alter“, geleitet von der sehr regen Übungsleiterin Frau Maria Koch, gesellte sich innerhalb des Vereins auch dazu. In Form von Seniorengymnastik,   Wassergymnastik, Tanzen, Singen und Laienspiel hat sich hier eine eigene Gruppe heraus gebildet, die überall bei ihren zahlreichen Auftritten in ihren traditionellen und ansprechenden Trachten sehr beifällig aufgenommen wird. Dem Verein gehören heute drei, vom DRK – Landesverbandes Saarland, ausgebildete Übungsleiterinnen für Seniorengymnastik an.                              

Aber auch die äußerst wichtige  Aus- und Weiterbildung der Aktivenmitglieder, die lange Zeit in den bewährten Händen von dem leider verstorbenen, Manfred Hermann, lag nimmt beim DRK –Ortsverein Wahlen einen sehr hohen Stellenwert ein.

Ebenso wichtig war die Jugendarbeit. In den Jahren 1986 und 1988 konnte das Jugend-Rot-Kreuz sogar 2 Meistertitel auf Landesebene, unter der Führung des damaligen JRK – Gruppenleiters  und heutigen Ausbilders Rudolf Backes, erringen.

Die soziale Komponente des Ortsvereins erhält durch die seit 1986 durchgeführten zahlreichen Blutspendetermine (jährlig  4 oder 5 Termine) einen ganz besonderen Akzent.

Neben den vielen selbstlosen Einsätzen für verletzte, kranke, ältere und notleidende Menschen auf karitativer Ebene, so bedeutet auch der gesellschaftliche Aspekt des Vereinslebens ein hohes Kulturgut.

Der DRK Ortsverein Wahlen erfreut sich im Ort selbst größter Akzepttanz und auch Anerkennung. Zudem ist er sehr gut aufgestellt mit seinem heutigen Vorsitzenden Herr Heinz Bleistein und seinem Stellvertreter dem, verdienten langjährigen Vorsitzenden und jetzigen Ehrenvorsitzenden Herbert Koch nebst dem rührigen Vorstand und der stattlichen Zahl von 210 Mitgliedern. Dieses gesamte Team ist ein echter Garant für zukünftige und erfolgreiche Arbeit.    

 

150 Jahre Rotes Kreuz an der Saar – Menschen setzen Zeichen!
Alois Schommer, Betreiber der Unfallhilfsstelle in Wahlen (Losheim)

 

Alois Schommer


Alois Schommer versorgte in den 50er und 60er Jahren mit seiner Unfallhilfsstelle in seinem Heimatort Wahlen viele Verletzte und leistete dabei mehr als nur Erste Hilfe, denn die Menschen vertrauten ihm. Er hat durch sein Engagement viel erlebt und musste oft improvisieren, was heute schwer vorstellbar ist, da es flächendeckend in Deutschland einen funktionierenden Rettungsdienst gibt. Herr Schommer war als Helfer meistens mit Trage und Tasche zu Fuß unterwegs und organisierte in Eigeninitiative erforderliche Krankentransporte. Es gab damals wenig Transportmöglichkeiten und kaum Telefonanschlüsse – unvorstellbar für heutige Zeiten.

 Alois Schommer wurde 1934 in Wahlen bei Losheim, im Landkreis Merzig-Wadern, als eins von acht Kindern geboren. Er hatte in jungen Jahren schon viele Verpflichtungen und unterstütze den elterlichen Haushalt, da der Vater als Sattler oft unterwegs war. Von 1949 bis 1953 lernte er Polsterer und Raumausstatter in Merzig, arbeitete ein halbes Jahr in Neunkirchen und führte dann im Elternhaus in Wahlen  ein eigenes Geschäft, wo er parallel noch Landwirtschaft betrieb. Die Rotkreuzarbeit hat ihn immer begeistert, obwohl er 1954 eher „unfreiwillig“ zum Roten Kreuz kam. Damals war es üblich, dass die Dorfbevölkerung sich zur Sicherheit und zum Schutz der Einwohner bei der Feuerwehr oder beim Roten Kreuz engagierte. Somit wäre nur die Feuerwehr eine Alternative gewesen, aber die Wahl fiel auf das Rote Kreuz.  1954 wurde von Dr. Kersch, einem Knappschaftsarzt aus Losheim, bestimmt, dass Alois Schommer gemeinsam mit anderen aus dem Ort eine Rotkreuz-Ortsgruppe gründen soll. Ein Jahr später wurde der DRK Ortsverein Wahlen gegründet. Als einziger junger Mann fühlte er sich in der Gruppe zunächst wenig wohl, aber er war von Anfang an eifrig bei der Sache. So begann er am 18. Mai 1955 seine Grundausbildung beim Saarländischen Roten Kreuz in Erster Hilfe, danach folgten weitere Ausbildungen bis hin zum Erste-Hilfe-Ausbilder, was er bis 1964 ausführte. Von Beginn an, also bereits im Jahre 1955, wird Alois Schommer  im Rahmen des Katastrophenschutzes die Unfallhilfsstelle des Ortes Wahlen übertragen.
Die Unfallhilfsstelle kann als Vorläufer des organisierten Rettungsdienstes gesehen werden. Sie wurde ausschließlich von ausgebildeten ehrenamtlich tätigen Sanitätern unterhalten und war in deren Privathaushalt untergebracht. Neben einer entsprechenden Ausbildung erhielten die Sanitäter eine Grundausstattung, die von Medikamenten über Verbandmaterial bis hin zu Geräten reichte. Damit die Bevölkerung wusste, wohin sie sich im Notfall wenden konnte, wurden die Häuser mit einer Unfallhilfsstelle durch ein Schild an der Fassade des Hauses gekennzeichnet. Mit der flächendeckenden Einrichtung von Unfallhilfsstellen sollte die Erstversorgung von Kranken und Verletzten gewährleistet werden bis ein Arzt eintraf oder der Transport zu einem Krankenhaus erfolgen konnte. Im Rahmen vom Zivil- und Katastrophenschutz wurden die Unfallhilfsstellen als kleine, dezentrale und autarke Versorgungsstützpunkte gesehen.


Da Alois Schommer selbständig von zu Hause arbeitete und somit gut verfügbar und einsatzbereit war, konnte er die Unfallhilfsstelle auch betreiben. Hier sind aus seinen Erzählungen einige besondere Ereignisse aus dieser Zeit:
 
 
 - Unglaubliche Wege!

 Ein älterer Mann war mit seinem Fahrrad außerhalb des Ortes verunglückt. Ein Bus mit Berufspendlern fuhr an der Unfallstelle vorbei und die Insassen erfassten die Notlage. Der Fahrer wendete und fuhr zurück nach Wahlen zur Unfallhilfsstelle von Alois Schommer. Dieser packte sein Material und lies sich von seinem Nachbarn mit dem Traktor zum etwa 1 km entfernten Unfallort fahren. Nach der Versorgung des Verletzten und der Lagerung auf der Trage erfolgte der Transport ins Krankenhaus mit einem Privat-PKW (Kombi) eines Vertreters, der auf der Straße angehalten und für den Transport überredet werden musste. Der Kofferraum wurde dazu einfach leergeräumt und die Rücksitze umgeklappt, damit die Trage Platz hatte. Das ausgeräumte Material verblieb an der Unfallstelle und wurde bewacht, bis es später vom Besitzer wieder abgeholt wurde.
 
 - Improvisation ist alles!
 
Den Hilferuf des damaligen Vorsitzenden des DRK, dass ein Verletzter unter einer Kuh lag, übernahm Alois Schommer ebenfalls. Vor Ort wurde der Verletzte unter der Kuh geborgen und Herr Schommer stellte fest, dass das Schien- und Wadenbein gebrochen waren. Die Fraktur schiente er behelfsmäßig mit Dielenbrettern aus dem Wohnhaus, die dafür kurzfristig zweckentfremdet wurden, und polsterte den Knochenbruch mit Handtüchern ab, die die Hausherrin in Eile aus dem ganzen Haus zusammentrug. Die Trage mit dem Patient wurde in den Kleinbus eines Bauunternehmers geladen und der Patient ins Krankenhaus gebracht.
 
 - Helfen statt Feiern!

 Alois Schommer war in einem neuen Hemd bekleidet auf dem Fahrrad  zur Kirmes nach Schwemlingen unterwegs als er Zeuge eines Rollerunfalls zweier junger Männer wurde. Beide hatten durch den Sturz – ohne Sicherheitshelm - erhebliche Kopfverletzungen davongetragen. Er zögerte keine Sekunde und machte den Schwerverletzten einen Kopfverband aus seinem neuen Hemd, da er kein Verbandmaterial bei sich führte.


 Durch die Unfallhilfsstelle, die 1955 in Wahlen entstand und bis in die 70er Jahre betrieben wurde, konnte zahlreichen Verletzten vor Ort geholfen werden. Besonders in den 50er Jahren bis 1964 wurde die Unfallhilfsstelle intensiv genutzt. Problematisch war immer die Fahrt ins fünf Kilometer entfernte Krankenhaus nach Losheim. Einen Rettungsdienst oder Krankentransport gab es noch nicht und deshalb musste die Fahrt individuell organisiert werden. In den 70er Jahren wurde die Situation entlastet durch die Sanitätsstation einer nahegelegenen Firma, die über einen Krankenwagen verfügte und viele Erste-Hilfe-Anfragen und Krankentransporte übernahm.

Alois Schommer konnte mit seiner Unfallhilfsstelle zahlreichen Menschen helfen und Leben retten. Er zeigte im Dienste des Menschen unermüdliches Engagement und Einsatzbereitschaft rund um die Uhr. Auch wenn heute aufgrund eines organisierten und gut funktionierenden Rettungswesen keine Unfallhilfsstellen mehr benötigt werden, so sind diese Menschen wie Alois Schommer noch heute ein Vorbild für uns: Allzeit bereit sein, um Hilfsbedürftigen zu helfen und Leiden zu lindern.

 

Auschnitt der Seite des DRK Saarland zur Biographie von Alois Schommer
Link zur DRK Seite "Hier klicken"

Alois Schommer *1934

Alois Schommer: Sanitäter der Unfallhilfsstelle

Unser Rotkreuzler Alois Schommer

  • 1934 in Wahlen bei Losheim geboren
  • Ausbildung als Polsterer und Raumausstatter
  • 1954 Gründungsmitglied des DRK-Ortsvereins Wahlen
  • 1955 Grundausbildung beim Saarländischen Roten Kreuz in Erster Hilfe (EH), weitere Ausbildungen folgen bis hin zum EH-Ausbilder
  • 1955 bis in die 70er Jahre Unfallhilfsstelle im Wohnhaus von Alois Schommer

Die Unfallhilfsstelle

  • Ehrenamtlich ausgebildete Rotkreuz-Sanitäter, die die Arbeit in der Unfallhilfsstelle parallel zu ihren Berufen erledigten
  • Stationiert in den jeweiligen gekennzeichneten Privathaushalten der Sanitäter verstehen mit einer entsprechenden Grundausstattung, wie Verbandsmaterial und Trage
  • Ziel: Erstversorgung von Kranken und Verletzten bis ein Arzt eintraf oder der Transport in ein Krankenhaus erfolgen konnte
  • Im Rahmen von Zivil- und Katastrophenschutz waren sie kleine, dezentrale und autarke Versorgungsstützpunkte

Unglaubliche Wege!

Ein älterer Mann war mit seinem Fahrrad außerhalb des Ortes Wahlen verunglückt. Ein Bus mit Berufspendlern fuhr an der Unfallstelle vorbei und die Insassen erfassten die Notlage.

Der Fahrer wendete und fuhr zurück nach Wahlen zur Unfallhilfsstelle von Alois Schommer. Dieser packte sein Material und lies sich von seinem Nachbarn mit dem Traktor zum etwa 1 km entfernten Unfallort fahren.

Nach der Versorgung des Verletzten und der Lagerung auf der Trage erfolgte der Transport ins Krankenhaus mit einem Privat-PKW (Kombi) eines Handelsvertreters, der auf der Straße angehalten und für den Transport überredet werden musste. Der Kofferraum wurde dazu einfach leergeräumt und die Rücksitze umgeklappt, damit die Trage Platz hatte. Das ausgeräumte Material verblieb an der Unfallstelle und wurde bewacht, bis es später vom Besitzer wieder abgeholt wurde.